Stadt setzt auf runde Papierblätter – „Ecken verletzen Gefühle“

Was zunächst wie ein Aprilscherz klingt, sorgt derzeit für einiges Aufsehen: Eine deutsche Stadt ersetzt rechteckige Papierformate in Behörden und Schulen durch runde Blätter. Die Begründung? „Ecken verletzen Gefühle“. Klingt kurios – doch dahinter steckt mehr als man auf den ersten Blick denkt.

Die Idee hinter dem runden Blatt

Die Entscheidung basiert auf einem Konzept, das in der Stadtverwaltung unter dem Schlagwort „sanfte Kommunikation“ läuft. Eckige Formen gelten dort als symbolisch für Härte, Strenge und Abgrenzung. Runde Formen hingegen sollen Harmonie, Offenheit und Empathie ausstrahlen.

Besonders in Schulen und Kindergärten hofft man, dass das Format positive Wirkung auf das Miteinander hat. Laut Aussagen der Projektgruppe empfindet ein Teil der Bevölkerung eckige Formulare und offizielle Schreiben als „kalt“ oder „abweisend“. Hier soll das runde Papier helfen, eine freundlichere Atmosphäre zu schaffen.

Wo werden die runden Blätter eingesetzt?

Derzeit erfolgt die Umstellung testweise in drei Bereichen:

  • Elterninformationen in Grundschulen
  • Formulare für Vorschläge und Wünsche in städtischen Bürgerbüros
  • Interne Notizen in sozialen Einrichtungen

Die Blätter haben dabei standardmäßig einen Durchmesser von 21 cm – damit entsprechen sie in der Fläche etwa dem bekannten A4-Format, nur eben ohne Ecken.

Vorteil oder Bürokratie-Irrsinn?

Die Meinungen zu dem Pilotprojekt gehen weit auseinander. Viele Bürgerinnen und Bürger staunen über die Ungewöhnlichkeit der Idee. Einige finden sie sympathisch – andere wiederum kritisieren sie als symbolpolitischen Aktionismus, der kein reales Problem löse.

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Einige Stimmen aus der Verwaltung berichten jedoch von spürbar positiveren Rückmeldungen. Besonders bei Kindern komme das neue Papierformat gut an. In einem Kindergarten erzählten Pädagoginnen, dass Kinder freiwillig mehr malten oder Briefe schrieben, weil sie das runde Papier liebevoller fanden.

Psychologie hinter Formen – was sagen Experten?

Formen wirken auf unser Unterbewusstsein. Runde Formen verbinden viele Menschen mit Sicherheit, Geborgenheit und Natürlichkeit. In der Architektur oder im Produktdesign werden sie gezielt genutzt, um Vertrauen zu erzeugen.

Auch in psychotherapeutischen Kontexten spielen Formen eine Rolle – etwa beim Zeichnen oder Gestalten von Symbolen. Hier gelten Kreise oft als Ausdruck von innerem Gleichgewicht oder Zusammenhalt.

Ob sich das auch auf Behördenkommunikation übertragen lässt, bleibt offen. Klar ist: Das Thema regt zum Nachdenken an.

Wie geht es weiter?

Die Stadt plant eine Evaluierung nach sechs Monaten. Dabei sollen unter anderem folgende Fragen geklärt werden:

  • Gibt es mehr Rückmeldungen auf Behördenanschreiben?
  • Verändern sich Ton und Inhalt der Kommunikation?
  • Wie hoch fallen die Druck- und Papierkosten aus?

Bisher wird das runde Papier mit Lasern geschnitten – ein aufwendiger Prozess. Sollte das Format dauerhaft eingeführt werden, wären Investitionen in spezielle Druckmaschinen denkbar.

Ein Zeichen für Wandel oder ein PR-Gag?

Ob das runde Blatt Bestand hat oder bald wieder vom Tisch ist, bleibt abzuwarten. In jedem Fall zeigt die Entscheidung, dass selbst im oft starren Verwaltungsalltag ungewöhnliche Ideen Raum finden können.

Und mal ehrlich: Wann haben ein paar Papierkreise das letzte Mal so viel ausgelöst?

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